Hl. Johannes Cassianus
Priester, Mönch, Klostergründer
* um 360, wohl in der römischen Provinz Scythia minor, der heutigen Dobrudscha in Bulgarien und Rumänien † um 433 in Massilia, dem heutigen Marseille in Frankreich
Johannes hatte eine klassische Bildung genossen und lernte auch Griechisch, was ihm Zugang zur Literatur der griechischen Kirche verschaffte. In jungen Jahren pilgerte er nach Palästina und trat in Betlehem in ein Kloster ein. Um 385 zog er mit seinem Freund Germanus weiter in die Sketische Wüste, um dort das Einsiedlertum aus eigener Anschauung kennenzulernen; sieben Jahre blieben sie dort, dann gingen sie für drei weitere Jahre zu den Einsiedlern in die Thebais um Theben - heute Ruinen bei Al Uqsur. Um 401 verließ Johannes mit seinem Gefährten Ägypten. Der Ruf des Patriarchen Johannes Chrysostomos zog sie nach Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - , von ihm wurde Johannes zum Diakon geweiht.
404 wurde Johannes, wieder in Begleitung von Germanus, nach Rom geschickt, um den Schutz des Papstes Innozenz I. für Chrysostomos zu erwirken, der durch die Verleumdungen der mit der Kaiserin Eudoxia verbündeten Bischöfe verfolgt wurde. Später zog es ihn in die Provence, dort gründete er um 415 das Kloster St. Victor für Männer im heutigen Marseille und ein Frauenkloster. Diese Klöster wurden in einer Zeit barbarischer Verwüstung Zufluchtsort für Menschen in Not und Stätten des Friedens sowie Zentren intellektuellen Lebens und monastischer Spiritualität und wirkten weit hinein nach Gallien und Spanien. Johannes vermittelte mit seinen Büchern "De institutis coenobiorum et de octo principalium remediis" ("Von der Einrichtung des Zusammenlebens und den acht wichtigsten Heilmitteln"), die er 419 - 426 auf Bitten von Bischof Castor von Apt verfasste, dem Westen die geistige Erfahrung der Mönchsväter des Ostens; die ersten 4 Bücher beschreiben das gemeinsame Leben im Kloster, die Bücher 5 bis 12 die acht Laster und deren Überwindung durch die Askese. Er hat damit nachhaltig das abendländische Mönchtum geprägt: die vier ersten Bücher der Institutiones galten lange als Regel des Cassian; die Ordensregel des Benedikt von Nursia sind deutlich von ihr abhängig.
Nach 425 veröffentlichte er sein Werk "24 Conlationes Patrum" ("Zusammenstellungen aus der Väterlehre"), eine asketische Unterweisung in Form fingierter Lehrvorträge bekannter Ägyptischer Mönchsväter; mit der 13. Conlatio, der über Gnade und menschliche Freiheit, die sich gegen Augustinus' Gnadenlehre stellte, handelte er sich den Vorwurf des Semi-Pelagianismus ein. Prosper von Aquitanien machte Augustinus auf Johannes' Ansichten aufmerksam; Johannes sah sich veranlasst, sich noch am Ende seines Lebens zu einer Widerlegung des Pelagianismus aufzuraffen.
430 schrieb Johannes auf Bitten des späteren Papstes Leo des Großen sieben Bücher gegen den Nestorianismus mit dem Titel De incarnatione Christi, Über die Menschwerdung Christi. Schon Papst Gregor der Große nannte Johannes einen Heiligen.
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