Hochfest des Hl. Josefs - Bräutigam der Gottesmutter Maria
Der hl. Josef wird von den Evangelisten Matthäus und Lukas erwähnt. Nach beiden Evangelien war Josef davidischer Abstammung: das Bindeglied zwischen dem davidischen Königshaus und dem Messias. Die Stationen seines Lebens sind kaum bekannt. Er war ein Mann des Glaubens und des Vertrauens, Mitwisser göttlicher Geheimnisse, ein großer Schweiger. Als liebevoller Gatte der Jungfrau Maria hat er an Jesus die Stelle des Vaters vertreten. Wie lange Josef gelebt hat, wissen wir nicht; das letzte Mal wird er bei der Osterwallfahrt mit dem zwölfjährigen Jesus erwähnt. Die öffentliche Verehrung des hl. Josef beginnt im Abendland erst im 14./15. Jahrhundert. Im römischen Kalender steht sein Fest seit 1621. Pius IX. erklärte ihn zum Schutzpatron der Kirche. Eine wunderbare Beschreibung über den Heiligen Josef, ist von Papst Benedikt XVI. in seinem Buch "Jesus von Nazareth: Prolog - Die Kindheitsgeschichten" im 2. Kapitel zu lesen:
"Die Bezeichnung Josefs als eines Gerechten (Zaddik) reicht weit über die Entscheidung dieses Augenblicks hinaus. Sie gibt ein Gesamtbild des Heiligen Josef und reiht ihn zugleich in die großen Gestalten des Alten Bundes ein – angefangen bei Abraham, dem Gerechten. Wenn man sagen kann, dass die im Neuen Testament vorliegende Form von Frömmigkeit sich in dem Wort „ ein Glaubende“ zusammenfasst, so ist das Ganze eines Lebens gemäß der Heiligen Schrift im Alten Testament in dem Begriff „ein Gerechter“ zusammengefasst.
Psalm 1 bietet das klassische Bild des „Gerechten“. Wir dürfen ihn so geradezu als ein Porträt der geistlichen Gestalt des heiligen Josef ansehen. Gerecht ist demnach ein Mensch, der in der lebendigen Berührung mit dem Wort Gottes lebt, der „Freude hat an der Weisung des Herrn“ (V. 2). Er gleicht einem Baum, gepflanzt an Wasserläufen, der stetig seine Frucht bringt. Mit den Wasserläufen, aus denen er sich nährt, ist natürlich das lebendige Wort Gottes gemeint, in das er die Wurzeln seines Seins hinabsenkt. Gottes Wille ist ihm nicht von außen auferlegtes Gesetz, sondern „Freude“. Das Gesetz wird ihn von selbst zum Evangelium, zur frohen Botschaft, weil er es in der persönlichen, liebenden Hinwendung zu Gott liest und es so von innen her zu verstehen und zu leben lernt.
Wenn Psalm 1 als Kennzeichen des Gerechten, des „glücklichen Mannes“, sein Wohnen in der Tora, im Wort Gottes ansieht, so nennt der Paralleltext Jes 17,7 „gesegnet“ den, der „auf den Herrn sich verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist.“ Hier tritt stärker als im Psalm der persönliche Charakter der Gerechtigkeit hervor – das Sich-Verlassen auf Gott, das dem Menschen Hoffnung gibt. Obwohl beide Texte nicht unmittelbar vom glücklichen oder vom gesegneten Mann sprechen, dürfen wir sie mit Hans-Joachim Kraus doch als das authentische Bild des alttestamentarischen Gerechten ansehen und so von daher auch lernen, was Matthäus uns sagen will, wenn er den Heiligen Josef als „Gerechten“ vorstellt.
Dieses Bild des Menschen, der deine Wurzeln in den lebendigen Wassern von Gottes Wort hat, im Dialog mit Gott lebt und daher stetig Frucht bringt – dieses Bild wird in dem beschriebenen Ereignis konkret wie auch in allem, was hernach über Josef von Nazareth erzählt wird. Nach der Entdeckung, die Josef gemacht hat, geht es darum, das Gesetz recht auszulegen und anzuwenden. Er tut es in Liebe: Er will ihr gut, auch in der Stunde der großen Enttäuschung. Er verkörpert nicht jene Form von veräußerlichter Gerechtigkeit, die Jesus in Mt 23 brandmarkt und gegen die Paulus kämpft. Er lebt das Gesetz als Evangelium. Er sucht den Weg der Einheit von Recht und Liebe. Und so ist er innerlich vorbereitet auf die neue, unerwartete und menschlich unglaubliche Kunde, die ihm von Gott kommen wird."
Auzug aus Jesus von Nazareth: Prolog - Die Kindheitsgeschichten von Papst Benedikt XVI., Verlag Herder, 2012 Ankündigung der Geburten Johannes’ und Jesu, 2. Kapitel
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